Naufrago ist spanisch und bedeutet „Schiffbrüchiger“. Eine eher düstere Bezeichnung, die sich zunächst nur schwer mit dem positiv behafteten Bild der Schaukel vereinen lässt. Und doch ist die Schaukel das zentrale Element der Installation Naufrago von Marjorie Chau. „Ich setze das Bild des Schiffbrüchigen mit der Kindheit gleich, die uns Menschen im Verlauf des Lebens leider oftmals verloren geht“, so die chilenischen Künstlerin, die 1979 in Santiago de Chile geboren wurde und seit 2002 in Berlin lebt und arbeitet. „Mit Naufrago möchte ich die Betrachter an die Unbeschwertheit früherer Tage erinnern und sie einladen, diese wieder aktiv zu erleben.“
Und aktiv ist im Falle dieses Kunstwerks wörtlich zu nehmen. „Ohne Menschen, die die Schaukel als solche auch tatsächlich nutzen, kann die Installation nicht im vollen Umfang wahrgenommen und erlebt werden“, so Chau. Sensoren im Sitzbrett registrieren die Schaukelbewegung und wandeln diese rechnergestützt in Ton- und Videosequenzen um. „Die so entstehende Melodie erinnert an die Klangwelt alter Kinderspielzeuge.“ Auf die als Raute und Sechseck geformten Segel werden ebendiese geometrischen Formen in variierender Größe projiziert wodurch ein Effekt, ähnlich dem eines Kaleidoskops entsteht. „In diese magische und faszinierende Welt können wir aber eben nur dann eintauchen, wenn wir uns auf das Kind in uns zurückbesinnen und unbeschwert schaukeln“, so Chau.

Hommage an die chilenische Heimat
Steht die Schaukel hingegen still, ertönt sanftes Meeresrauschen. „Dies ist, neben dem Titel der Installation und den Segeln, eine weitere Hommage an meine Heimat. Wir Chilenen haben aufgrund der besonderen Lage unseres Landes mit den vielen tausend Kilometern Küste eine besonders enge Beziehung zum Meer. Diese wollte ich in der Installation zum Ausdruck bringen.“ In eine ebenso enge Beziehung bringt Marjorie Chau mit Naufrago Kunst und Technik. „Diese Verbindung hat für mich ihren ganz besonderen Reiz. Hier kommen mit der eindeutigen, funktionalen Technik und der fragilen, frei interpretierbaren Kunst zwei scheinbar gegensätzliche Welten zusammen. Mir als Künstler bieten sich damit viele neue Möglichkeiten, meine Ideen und Gedanken umzusetzen und den Betrachter auf eine spannende, interaktive Weise daran teilhaben zu lassen.“


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